Philosophie

Zwischen Religion und Philosophie

Das Wort Tantra wird von der Sanskritwurzel „tan“ (ausdehnen) abgeleitet und bedeutet: allumfassendes Wissen. Aus der tantrischen Philosophie entstanden die esoterische Form des Hinduismus und später des Buddhismus. Der Tantrismus ist Ursprung der Lehren von der Kundalini und den Chakren (Räder). Seine Erkenntnislehre betont die Identität von absoluter und phänomenaler Welt. Das Ziel ist die Einswerdung mit dem Absoluten und das Erkennen der höchsten Wirklichkeit. Da angenommen wird, dass diese Wirklichkeit energetischer Natur ist, Geist und Materie nicht vollständig getrennt und Mikrokosmos und Makrokosmos miteinander verwoben sind, nutzt der Tantrismus äußere Handlungen als Spiegel innerpsychischer Zustände. Der hinduistische Tantrismus ist diesseitsbejahend, nutzt psycho-experimentelle Techniken zur Selbstverwirklichung und Erfahrung der Welt, in dessen Elementen sich das Absolute offenbart. Die Sinneswelt wird nicht als negativ betrachtet, sondern genutzt um zur Vereinigung mit dem Göttlichen zu gelangen. Der Tantrismus ist verbunden mit der Verehrung der Göttlichen Mutter, Shakti. Sie ist Ausdruck der schöpferischen Kraft Gottes und im menschlichen Körper als Kundalini-Energie vorhanden. Erweckt man die an der Basis der Wirbelsäule eingerollt liegende Kundalini-Schlange zum Leben, steigt sie auf und öffnet auf ihrem Weg die subtile Energiezentren (Chakren) um sich im obersten Energiezentrum, mit dem männlichen Aspekt Gottes Shiva zu vereinigen. So wie Shiva und Shakti im Ardhanarishvara (halb Mann, halb Frau) vereint sind, so ist auch die rechte Hälfte jedes Menschen männlich und entspricht Shiva, während die linke Hälfte der Shakti entspricht.

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